Ein inspirierender Abend über Identität, Sichtbarkeit und den Mut, das eigene Narrativ selbst in die Hand zu nehmen – ein Rückblick von Christiane Gotz.
Am 30. Jänner 2026 luden Stefanie Maczijewski und Hayfa Bejaouider vom Verein Diversoviel in die „Diversothek“ im 2. Wiener Gemeindebezirk zu einer gut besuchten Podiumsdiskussion ein. Rund 35 Besucher*innen nahmen an diesem Abend teil, der sich der Repräsentation asiatischer und philippinischer Biografien in Literatur und Film sowie den Herausforderungen und Chancen der Diaspora in Österreich widmete.
Das Podium:
Die Regisseurin Weina Zhao führte als Moderatorin durch den Abend. Das weiblich besetzte Panel diskutierte über die Notwendigkeit, eurozentrische Sichtweisen auf die asiatische Diaspora aufzubrechen:
● Arlene Castañeda: Gründerin des Vereins Zentrum für österreichische und philippinische Kultur und Sprachen (Sentro)
● Christiane Gotz: Mit-Autorin des Buches Common Diversities – Junge Filipin@s im deutschsprachigen Raum
● Divina Kuan: Berliner Filmemacherin mit philippinischen Wurzeln, die aktuell an einem Spielfilmprojekt arbeitet, das mit einer Austro-philippinischen Hauptrolle besetzt sein wird.
Die Diskussion verdeutlichte, dass ein Wandel stattfand, weg von der Darstellung durch eine externe, westliche Brille.

Literatur als Spiegel der Identität:
Christiane Gotz las Passagen aus ihrem Kapitel Erfahrungen von Filipin@s mit Rassismus, Diskriminierung und Anti-Asian Hate. Sie thematisierte die Zunahme von Antiasiatischem Rassismus während der Covid 19-Pandemie sowie die Stereotype, mit denen die Community regelmäßig konfrontiert ist. Arlene Castañeda berichtete zur Entstehungsgeschichte der Buchreihe Common Diversities. Das Ziel sei es gewesen, der jungen Generation Geschichten zu schenken, in denen sie sich widerspiegeln können. Für viele Autor*innen war das Schreiben ein therapeutischer Prozess. Es geht darum, das Wandeln zwischen den Welten greifbar zu machen – eine Erfahrung, die aus österreichischer Sicht oft nicht in dieser Tiefe nachvollziehbar ist.
Filmische Repräsentation:
Weina Zhao (Weiyena – Ein Heimatfilm – AT 2020), die Projekte wie Perilla und Gewächshaus mit ins Leben rief, betonte, wie wichtig es ist, die eigene Geschichte selbst zu erzählen. Diesen Faden nahm Divina Kuan auf: Ihr aktuelles Filmprojekt, welches in Österreich und den Philippinen gedreht werden soll, setzt ein Zeichen für die Sichtbarkeit der Diaspora und widmet sich der komplexen Identitätsfindung zwischen zwei Kulturen.
Dialog und Vernetzung:
In der anschließenden Publikumsdiskussion kamen Themen wie Diskriminierung und Sexualisierung asiatischer Frauen zur Sprache. Mehrere Teilnehmer*innen berichteten, dass ihnen noch immer das Gefühl vermittelt werde, „fremd in der eigenen Heimat“ zu sein – eine Erfahrung, die mittlerweile drei Generationen in Österreich lebender Menschen mit asiatischen Wurzeln betrifft.

Die Bedeutung von Safe Spaces wie der Diversothek und des offenen Austauschs innerhalb der Community wurde hervorgehoben. Kritisch reflektiert wurde die Zersplitterung innerhalb der philippinischen Diaspora. Um politisches Gewicht zu gewinnen, müssen persönliche Befindlichkeiten überwunden und die gegenseitige Unterstützung gestärkt werden.
Es wurde auch festgehalten, dass Integration keine Einbahnstraße ist. Ein zentraler Punkt des Abends war der interkulturelle Mehrwert jener, die hier aufgewachsen sind und gleichzeitig die Eigenheiten der Community kennen. Angesichts des aktuellen Bedarfs an Fachkräften (vor allem Pflegekräfte aus den Philippinen) richtete das Podium einen klaren Appell an die Verantwortlichen aus Kultur, Integration und Wirtschaft:
- Sichtbarkeit: Die Community ist bereit, neue Migrant*innen willkommen zu heißen und als Brückenbauerin zu fungieren.
- Ressourcen: Es braucht eine stärkere Einbindung der bestehenden Communities in Integrationskonzepte.
- Selbstbewusstsein: Während die erste Generation oft auf Anpassung fokussiert war, kennt und fordert die junge Generation heute ihre Rechte und einen Platz am Tisch ein.
Die Kraft der Zusammenarbeit
Der Abend zeigte, wie wirkungsvoll die Zusammenarbeit engagierter Community‑Organisationen, Kulturschaffender und Aktivistinnen ist. Gemeinsames Handeln schafft Sichtbarkeit, stärkt Strukturen und eröffnet Räume, in denen unterschiedliche Perspektiven zusammenkommen, voneinander lernen und gemeinsam wachsen.
Die Kraft der ZusammenarbeitDie beteiligten Organisationen
Sentro
Sentro wurde gegründet, um jungen Menschen ihre philippinischen Wurzeln näherzubringen. Sentro bietet Tagalog‑Kurse und kulturelle Sommercamps an. Mit Projekten wie der Common Diversities-Reihe und den KUBŌ‑Kulturfestivals stärkt es die Sichtbarkeit und Kreativität der philippinischen Diaspora.
Perilla
Perilla ist ein Zine und Community‑Projekt von und für Menschen der asiatischen Diaspora in Österreich. Neben Publikationen organisiert Perilla Schreibsessions, die Konzertreihe Perilla Beat und arbeitet am mobilen Archivprojekt WANDAPANDA & TIGER.
Gewächshaus
Gewächshaus ist ein Netzwerk von und für BPOC‑Filmschaffende im deutschsprachigen Raum. Es fördert Vielfalt vor und hinter der Kamera, bietet Räume für Austausch, Empowerment und Weiterbildung und unterstützt Produktionen durch Beratung zu Diversity Storytelling.
Diversoviel
Diversoviel setzt sich für Diversität, Empowerment und interkulturellen Austausch ein. Mit der Diversothek schafft der Verein einen offenen Raum für Begegnung, Dialog und Community‑Building – ein Safe Space, der an diesem Abend besonders spürbar wurde.
Ausklang
Der Abend endete bei philippinischen Köstlichkeiten und lebhaften Gesprächen.
Ein herzlicher Dank gilt Wolfgang Gotz für die Fotos und Thelma Hugo Gotz für das Buffet sowie dem Verein Diversoviel für die Einladung und die Bereitstellung dieses wichtigen Raumes.
